Die antiken Narden
Die Wiederherstellung der Seele, die geistige Klarheit und der Übergang zwischen den Welten des Denkens
Die sinnliche Welt und die intellektuelle Welt sind wie Zwillinge, die auf einem dynamischen Denken ruhen. Dieses dynamische Denken wird in seiner Symbolik durch ein (weißes) Pferd dargestellt. Bei den Indoeuropäern ist das Pferd mit dem Lebensatem und der sich bewegenden Seele verbunden. In den Veden sind die Aśvin göttliche Zwillinge. Ihr Name stammt von aśva = Pferd. Sie lenken einen Wagen, der von himmlischen Pferden gezogen wird. Sie verkörpern das erwachende Denken, die geistige Klarheit, die wie das Morgenlicht hervorbricht.
Unser Geruchsgedächtnis und die Schätze des Gehirns und seiner Symbolik
Das Pferd ist auch mit der Rückkehr, dem Weg, der inneren Navigation und dem Boot verbunden. In einigen indoeuropäischen Traditionen begleitet das Pferd die Seele auf ihrer Reise, was die Erinnerung als einen Weg des Wanderns erscheinen lässt.
Die antiken Narden und der Baldrian
Indien und das alte Ägypten teilten ihr Wissen – und vor allem die Narde, die die ägyptischen Priester in den Totenriten verwendeten, um der Seele zu helfen, den Übergang in die andere Welt zu vollziehen. Narde und Baldrian gelten als limbische Pflanzen.
Das limbische Gehirn ist das antike Herz
Es vereint die Orte, an denen Emotionen entstehen und Erinnerungen gewebt werden: die Amygdala, Hüterin der inneren Impulse, und den Hippocampus, Architekt des Gedächtnisses. Die Alten erkannten seine tiefere Natur. Für sie war dieses Zentrum der Sitz des göttlichen Atems, des prāṇa, des pneuma, der Ort, an dem die Seele atmet und sich erinnert.
Im Licht des Löwen berührt der Duft die Seele schneller als die Vernunft
Der Geruchssinn unterstützt die Seele in ihrer Suche. Er steigt direkt in dieses innere Heiligtum hinab, das der Sitz der moralischen Gerechtigkeit ist (das Herz, Symbol des Löwen).
Die Narde wird verwendet, um eine Brücke zu schlagen, die den Zugang zur sinnlichen Welt öffnet, indem sie die Emotionen beruhigt und das Gedächtnis öffnet. Die Alten sahen das limbische System als den Körper‑Atem‑Seele‑Komplex, wodurch das limbische System zum Zwilling des Herzens wurde – ein Tempel, in dem Atem, Emotion und Erinnerung sich begegnen, ein Ort, an dem der Duft die Tore der sinnlichen Welt öffnet.
Wenn die Gedanken gemeistert sind, wird der Weg zum Garten (der sinnlichen Welt) zugänglich, wie die Wächter Oup und Wepwawet, die auf den Säulen der Umkehrung stehen – Hüter des Wissens und Beschützer der Geheimnisse und zyklischen Zeiten, wie zwei Reiter auf dem Pferd des Denkens.
Die Narde symbolisiert die Unsichtbarkeit des Göttlichen
Die Narde, wie alle heiligen Düfte, repräsentiert die andere Seite des Göttlichen: Sie ist der Atem, der Duft der Götter, das Unsichtbare.
Die antiken Traditionen glaubten, dass dort, wo ein heiliger Duft ist, auch ein Gott ist. Diese unsichtbare Dimension besaß auch ihre sichtbare Inkarnation des Heiligen: die Farbe Blau.
Blau, die sichtbare Inkarnation des Heiligen
Blau gehört nicht zur irdischen Dimension. Es ist der Ausdruck der Sichtbarkeit der Gottheit (siehe den Text über die Alchemie). Es gehört zur kosmischen Sphäre.
Blau ist das Licht des Gottes, das Fleisch geworden ist
Die Farbe Blau, selten in der Natur und schwer herzustellen, wurde als himmlische Substanz wahrgenommen. In Ägypten, in Indien, in Mesopotamien stellt die blaue Haut der Götter keine physische Farbe dar, sondern eine kosmische Materie. Die Haut des Gottes ist die Sichtbarkeit des Göttlichen – die Oberfläche, auf der sich das himmlische Licht verdichtet, seine Art, in der Welt zu erscheinen.
Die göttliche Präsenz wird spürbar
Blau ist die Haut des Gottes. Narde ist sein Atem. Gemeinsam machen sie das Göttliche wirklich. Blau verkörpert, der Duft belebt. Blau ist die Präsenz, der Duft ist das Wesen. Blau ist der Körper des Gottes, der Duft seine atmende Seele.
Wenn sich diese beiden Kräfte vereinen, wird das Licht Fleisch. Mit dem göttlichen Atem, der den Raum erfüllt, öffnet sich die sinnliche Welt wie ein Heiligtum. Das Göttliche zeigt sich nicht mehr nur – es entfaltet sich in alle Richtungen des Raumes, es umhüllt, es wird zu einer heiligen Atmosphäre, in der die Seele ihren eigenen Ursprung erkennt.